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Nationales Schutzobjekt gefährdet

Der Bau von Pfaden, Wegen und Strassen gehört zu den ältesten zivilisatorischen Aufgaben. In Gebirgsgegenden, wo die anspruchsvolle Topografie besondere Herausforderungen stellt, war die Erstellung von Verkehrsanlagen stets mit grossen Anstrengungen verbunden. Im 19. Jahrhundert wurden in Graubünden mit der Errichtung von Fahrstrassen ingenieurtechnische Meisterleistungen vollbracht. Wegen ihrer Vielzahl an Kunstbauten werden diese grossen Werke mitunter auch «Kunststrassen» genannt. Sie gelten heute wegen ihrer landschaftsprägenden Qualitäten und ihres bautechnisch und architektonisch hervorragenden Werts als Kulturdenkmäler allererster Güte und sind entsprechend, sofern in ihrer historischen Substanz noch erhalten, im Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz IVS als national bedeutende Schutzobjekte aufgeführt. So auch die Transitroute über den Splügen- bzw. den San-Bernardino-Pass, die zwischen 1818 und 1823 zur mit Kutschen befahrbaren «Kommerzialstrasse» ausgebaut worden war.

Die «Untere Strasse» über den San Bernardino wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts den neuen Anforderungen des motorisierten Massenverkehrs angepasst. Dabei blieben viele der ursprünglichen Kunstbauten erhalten. Dazu gehört die Ponte Casott auf der Nordrampe des Passes, unweit des Dorfes Hinterrhein. Die aus Bruchsteinen gefügte Bogenbrücke, auch Maseggbach-Brücke genannt, ist seit 1965 nicht mehr im ursprünglichen Gebrauch, da der Verkehr seither über eine nebenan erstellte Betonbrücke geleitet wird.

Das Bauwerk ist solide gebaut und in keiner Weise einsturzgefährdet, doch wäre mittelfristig eine Abdichtung und angemessene Instandsetzung der Baute sicher angezeigt. Diesen Aufwand will sich der Kanton sparen – und hat im August 2020 ein Projekt zum «Rückbau» (sprich: Abbruch) des 200-jährigen Brückengewölbes aufgelegt. Gegen dieses Vorhaben hat der Bündner Heimatschutz Einsprache erhoben.

Wir erwarten vom Kanton, dass er seine Verantwortung gegenüber dem kulturellen Erbe Graubündens wahrnimmt – statt zu versuchen, die bundesgesetzlichen Bestimmungen zu umgehen und ein national geschütztes Objekt mit Steuergeldern zum Verschwinden zu bringen, nur, um sich von der Unterhaltspflicht zu befreien.

Erhalt gefordert

Neben dem Bündner Heimatschutz hat auch die Standortgemeinde Rheinwald sowie die Stiftung zur Wahrung der Walserkultur an der Bernhardinerstrasse Einsprache erhoben gegen die Abbruchpläne des Kantons.

>Einsprache BHS

>Bericht Bündner Zeitung, 13. August 2020

>Leserbriefe