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Hommage an Robert Obrist

Am 14. März 2018 ist Robert Obrist in Chur seinem langjährigen Krebsleiden erlegen. Als einen «citoyen d’architecture» hatte ihn Köbi Gantenbein einst bezeichnet. Tatsächlich, nichts war Obrist weniger als ein autistisch vor sich hin werkelnder Baukünstler. Vielmehr ein politisch gesinnter Mensch, der sich für die öffentlichen Dinge mitverantwortlich fühlte und das Bauen als kulturelle Verpflichtung verstand. Ein begabter Architekt, der sich verantwortungsbewusst auch in einem Gebiet betätigte, das heutige Architekten lieber den Geografen überlassen: der Raumplanung. In seiner Wahlheimat Graubünden hat er bedeutende Bauwerke hinterlassen, das brutalistische Atelierhaus an der Via Aruons in St. Moritz Bad etwa, die scharfkantige Frauenschule in Chur oder das skulpturale Gemeindehaus in Filisur; sie sind gekennzeichnet durch konzeptionelle Stärke, die eindeutige Form und eine präzise städtebauliche Haltung. Und er hat mit einer Vielzahl von Orts- und Regionalplanungen auch das Planungsgeschehen Graubündens massgeblich geprägt.

In den peripheren Bergkanton hatte es den Aargauer Bauernsohn eher zufällig verschlagen: 1962 als Projektleiter beim Bau des Aroser Kursaals von Le Corbusier-Schüler Otto Glaus. Ein Jahr später erfolgte die Gründung des eigenen Ateliers in St. Moritz. Zusammen mit Alfred Theus baute er dort 1968 das (zwischenzeitlich abgebrochene) Hallenbad. Der fulminante Sichtbetonbau im Geist der Nachkriegsmoderne machte ihn bekannt. In öffentlichen Bauten entwickelte er in der Folge eine besondere Kompetenz. Als leidenschaftlicher Verfechter des offenen Wettbewerbs nahm er an 240 solcher Verfahren teil. Deren 24 hat er gewonnen, zwölf davon realisiert.

Wie seine Architektur war auch seine Sprache: ungeschminkt, gradlinig und unaffektiert. Wie kein zweiter seines Fachs nutze Obrist das Instrument des Leserbriefs, um gesellschaftspolitisch relevante Themen zu erörtern. Die Forderung nach baukultureller Qualität und der Kampf gegen das Dilettieren im öffentlichen Raum gehörten für ihn ganz selbstverständlich dazu.

Der Bündner Heimatschutz wollte sein verstorbenes Mitglied mit einer Ausstellung ehren. Neun von Obrists wichtigsten Bauten in Graubünden sollten von einem jungen Künstler neu entdeckt und in je einer Fotografie festgehalten werden. Robert Obrist hat das Konzept des Projekts und auch die Auswahl der Gebäude kurz vor seinem noch begutachten können – und für gut befunden.

Als Fotograf wurde der Kunststudent Jaromir Kreiliger (*1991) eingeladen. Es ist der frische Blick eines Menschen, der den Architekten persönlich nicht gekannt und dessen Werk bislang bewusst nicht wahrgenommen hat. Der Architekt hatte sich gewünscht, dass man sich in seinen Räumen bewege, um sich mit ihnen zu identifizieren und sie sich anzueignen. Das hat der Fotograf getan. Der Weg führte ihn weg vom Abbild hin zur Interaktion. Obrist gab sich stets ausgesprochen rational und unterliess es, seine emotional-sinnliche Seite nach aussen zu kehren. Kreiliger hat das Werk des Architekten poetisch verfremdet und ihm so eine neue Dimension hinzugefügt.

Kreiliger hat seine Hommage an Robert Obrist anlässlich des Festes >Baukultur im Stundentakt am 27. Oktober 2018 in Chur erstmals öffentlich präsentiert – die Ausstellung konnte dank der Unterstützung vom Institut für Bauen im alpinen Raum IBAR der HTW Chur, vom BSA (Ortsgruppe Zürich), vom Heimatschutz Sektion Engadin und Südtäler und von visarte.graubünden realisiert werden.

Im Rahmen des Bündner Kulturpreises 2019 wurde Jaromir Kreiliger von der Bündner Regierung mit einem Förderpreis bedacht.

Neun Werke, neun Bilder

Im Auftrag des Bündner Heimatschutzes hat der junge Künstler Jaromir Kreiliger neun Bauten von Robert Obrist fotografiert (>mehr).

Katalog

Der Katalog (>pdf) mit den Fotografien von Jaromir Kreiliger und einem Text von Chasper Pult ist zum Preis von Fr. 5.- (zzgl. Verpackungs- und Versandkosten) bei der Geschäftsstelle des Bündner Heimatschutz erhältlich.

Verkauf

Die Fotografien von Jaromir Kreiliger können zu Fr. 1500.- pro Bild erworben werden (Masse 67 x 100 cm).

Bei Interesse nehmen Sie Kontakt mit dem Künstler auf (>mehr).