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Kampf um die Churer «Kante»

Für viel Unmut sorgte das Ansinnen der Stadt Chur, den geschichtsträchtigen Gutshof «Zur Kante» in Chur-Masans einer Bus- und Fahrradspur zu opfern. Um das Haus vor dem Abbruch zu retten, gelang der Bündner Heimatschutz im März 2016 mit einer >Aufsichtsbeschwerde an die Bündner Regierung. Am 7. Februar 2017 entschied der Kanton zugunsten heimatschützerischer und denkmalpflegerischer Anliegen und wies die Stadt Chur an, das Verfahren um die Verbreiterung der Masanserstrasse im Abschnitt Weisstorkelgasse – Kreisel Masans neu aufzurollen. Seither ist es ruhig geworden um die Churer «Kante». Im Hintergrund versucht die Stadt nun, auf dem Weg der Arealplanung zu einem Abbruch der «Kante» zu gelangen.

Das Haus «Zur Kante» (>pdf) ist der letzte authentisch erhaltene Bauernhof der Biedermeierzeit in der Region. Architekturhistorisch interessant ist vor allem die Überformung eines ehemals barocken Landsitzes des frühen 18. Jahrhunderts in einen bürgerlich geprägten Bauernhof der Zeit nach dem Ende des Ancien Regime. Der Hof ist Teil eines historischen Bauten-Ensembles, das als empfangsartiges «Tor zur Stadt» am Eingang von Chur einen städtebaulich relevanten Akzent setzt. Er gibt dem östlichen Eingang von Chur eine Anmutung von Geschichte, eine historische Orientierung und Identifikation. Der Bündner Heimatschutz ist der Überzeugung, der Abbruch des Gebäudes sei zur Verbesserung der Verkehrssituation bei der Einfahrt in die Stadt Chur nicht zwingend und setzt sich deshalb für den Erhalt des Baudenkmals ein.

Der Heimatschutz fordert, dass der Stadtrat das schutzwürdige Haus "Zur Kante" vollumfänglich bewahrt. Laut dem im November 2015 veröffentlichten Weissbuch zur städtischen Boden- und Liegenschaftspolitik sind für den Abbruch des Hauses zur Kante insgesamt rund Fr. 240 000.- vorgesehen. Mit den Kosten des Rückbaus liesse sich das Gebäude soweit instand stellen, dass es vorderhand bewohnbar bliebe. Wie hoch der Investitionsbedarf tatsächlich ist, wurde nie sorgfältig abgeklärt.

Beim «Fall Kante» geht es um Grundsätzliches: In Chur verschwinden immer mehr bedeutsame baukulturelle Zeugen der Vergangenheit. Statt dem Verfassungsauftrag nachzukommen und das historische Erbe zu schützen, zeigt die Stadt viel Verständnis für Bauherren, die an Baukultur wenig interessiert sind (>mehr). Oder sie beruft sich auf vermeintliche Sachzwänge, um Abbrüche zu rechtfertigen. Mit der Zerstörung identitätsstiftender Bauwerke allerdings wird Stück für Stück die Geschichte aus dem Stadtbild eliminiert. Das kann nicht in öffentlichem Interesse sein!

>Medienberichte 2016 zum geplanten Abbruch

>Leserbriefe 2016

>Medienberichte 2017 zur gewonnenen Aufsichtsbeschwerde

>Medienberichte und Leserbriefe 2018

Hoher Situationswert

Das Gut «Zur Kante» ist Teil eines städtebaulich bedeutsamen Ensembles mit Torcharakter, das den Eingang zur Stadt Chur markiert.

Hof mit Charakter

Das Bautenensemble der «Kante» mit Doppelwohnhaus, Ökonomiebau und Waschhaus umschliesst einen intimen Hof.

Wertvolles Inneres

Die biedermeierliche Ausstattung im Innern des Doppelwohnhauses ist integral erhalten.

Tag der offenen Tür

Am 24. Juni 2017 veranstaltete die Stadt Chur beim Gutshof «Zur Kante»einen Tag der offenen Tür. Rund 600 Personen nahmen die Gelegenheit wahr, den beidermeierlichen Hof zu besichtigen. Die Reaktionen fielen vornehmlich positiv zugunsten eines Erhalts des wertvollen Ensembles aus.

> Rede von BHS-Präsident Christof Dietler

> Bericht Südostschweiz

> Bericht Bündner Tagblatt

> Leserbrief Köbi Gantenbein

Ausstellung

Am Tag der offenen Tür war der Bündner Heimatschutz auch mit einer Plakatausstellung zur Geschichte der «Kante» präsent.

>Teil 1
>Teil 2
>Teil 3

>Beitrag von BHS-Geschäftsleiterin Ludmila Seifert im Bündner Tagblatt

Auf der Roten Liste

Der Schweizer Heimatschutz hat die «Kante»als erstes Objekt auf die 2018 neu lancierte >Rote Liste gesetzt.